Stress beim Hund: Wie reagiert dein Hund auf Stress? Und wie kannst du ihm helfen?😕🐶

Stress beim Hund: Wie reagiert dein Hund auf Stress? Und wie kannst du ihm helfen?😕🐶

Stress tritt nicht nur bei uns Menschen auf. Auch Hunde können gestresst sein, was sich ganz unterschiedlich äußern kann. Es ist wichtig, diese Anzeichen bei seinem Hund kennenzulernen, um entsprechend reagieren zu können.

Während meiner Weiterbildung zum „Stresscoach Naturheilkunde für Hunde“ konnte ich umfassende Erkenntnisse sammeln, welche ich nun mit euch teile. Erfahrt am Ende noch, was am besten deinem gestressten Hund hilft!

Was ist Stress? Und wie reagiert der Körper? 🧠

Fun fact gleich vorweg: das Wort Stress ist erst 90 Jahre alt. Wie abgefahren ist das? Mittlerweile nutzen wir Menschen es alltäglich. „Ich bin gestresst“, „Mein neuer Chef stresst mich“. Dabei gab es das Wort in der Generation unserer Großeltern noch nicht mal.

So jetzt aber zum Thema:

Stress ist nicht gleich Stress. Stress ist normaler Bestandteil des Alltags, unserer Welt. Auch wir Menschen sind mal gestresst, aber das ist nicht immer negativ.

Wichtig ist zu beachten, dass Spannung (also Stress) Entspannung braucht. Wie z. B. auch bei Muskeln. Wenn ein Muskel permanent angespannt ist, verhärtet er sich und ist nicht mehr einsatzfähig.

Das Ziel beim Hundetraining sollte es immer sein in einem natürlichen Gleichgewicht zwischen An- und Entspannung und eben auch Aktivität und Ruhe zu sein. Dass das Hundetraining zwischendurch auch mal stressig sein kann, ist nicht schlimm. Denn: Stress ist nicht gleich Stress. Es wird dabei wie folgt unterschieden:

Chronischer vs. Akuter Stress

Unter chronischem Stress versteht man den Stress, der anhaltend ist und inadäquat. Dieser Stress macht Hunde – und btw auch uns Menschen – krank. Es kann in Extremfällen auch zu Verhaltensauffälligkeiten führen.

Unter akutem Stress leidet man bspw. bei Wettkämpfen, Unfällen oder Krankheiten. Oder auch Streit. Für den Moment ist die Belastung sehr hoch, aber kurz- oder mittelfristig ist die Situation vorbei. Und Entspannung kann stattfinden. Auch akuter Stress kann zu Symptomen führen wie z. B. Durchfall. Oder was viele Hundehalter kennen, wenn sie mit ihrem Hund zum Tierarzt fahren: Zittern, Spontanschuppung, Haarausfall.

Eustress vs. Distress

Eustress ist der Stress, der als „positiv“ bezeichnet wird. Diese Form ist mit starker Belastung und Anstrengung verbunden. Dieser kann gut bewältigt werden und hinterlässt noch dazu ein positives Gefühl. Der Hund fühlt sich danach wohl.

Aber Achtung: natürlich kann auch ein zu viel Belastung und Anstrengung umschlagen, sodass dieser negativ wird. Während der Hund es im Winter vielleicht super findet, 10 km spazieren zu gehen und er dabei Eustress empfindet, kann das im Sommer bei 30°C natürlich ganz anders aussehen. Damit der Körper optimal leistungsfähig ist, kann es sogar notwendig sein, ein gewisses Maß an Stress zu bekommen.

Distress ist der Stress, der als „negativ“ bezeichnet wird. Diese Form stellt eine übermäßige Belastung oder Überforderung dar. Dies kann beim Menschen Krankheiten hervorrufen. Aber auch Depressionen oder funktionelle Störungen sind möglich. Es kann sich beim Hund auch in der Form von Unterforderung, Isolation oder Einsamkeit äußern.

Typische Symptome für Distress:

  • Erhöhte Entzündungsreaktionen im Körper
  • Muskelschmerzen durch Dauerspannung
  • Verminderte Lernfähigkeit
  • Gestörter Schlafrhythmus

Dazu fällt mir ein Zitat aus meinem Studium (Ernährungswissenschaften) meines ersten Berufslebens ein:

Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei. (Paracelsus)

Und genau so ist es auch beim Stress. Wenn Stress eine Tomate 🍅 wäre, wäre Stress im normalen Maße gesund. Wenn man aber nur Tomaten isst (oder eben nur Stress hat), dann wird man irgendwann krank.

Was stresst unseren Hund?

Wie immer im Hundetraining: es kommt natürlich drauf an. Aber allgemein kann davon ausgegangen werden, dass v.a. folgende Punkte Hunde stressen:

  • Jeden Tag viele hektische Spiele wie z. B. Ball“spielen“ (Achtung: Suchtgefahr)
  • Zu wenig Bewegung (also auch das Gegenteil kann ein Stressor sein)
  • Zu wenig mentale Herausforderung 😒
  • Grenzenloses Leben (durch fehlende Grenzen sind Hunde oft überfordert)
  • Erwartungsunsicherheit 😕

Was passiert im Körper bei Stress?

ALARM! Ok, aber detaillierter sieht Stress im Körper so aus:

  1. Stressoren werden wahrgenommen (durch die Sinnesorgane)
  2. Das wird ans Gehirn weitergegeben, welches die Nebenniere dazu animiert, Stresshormone auszuschütten
  3. Stresshormone beeinflusst dann unterschiedliche Organe, z.B. wird der Herzschlag und die Atmung beschleunigt (das kannst du dir auch nochmal in der Abbildung anschauen)

Der Sympathikus (gehört zum vegetativen Nervensystem) ist für die Alarmreaktion zuständig. Er mobilisiert Energie für die NotfallsituationKampf oder Flucht. Die Energie wird der Verdauung genommen und in die Arme und Beine gelenkt. Denn diese sind in der Alarmreaktion von Entscheidung (Stichwort: Wegrennen). Verdauung ist aber in dieser Akutsituation unwichtig. Wenn du einen Bären im Wald siehst, denkst du auch nicht ans Essen.

Der Gegenspieler ist der Parasympathikus. Er dient der Energiespeicherung und ist eben auch wichtig für die Erholung und dem Aufbau. Im Gegensatz zum Sympathikus, beruhigt er das Herz und die Atmung und fördert die Verdauung.

Die beiden sollten im Gleichgewicht sein.

Stress beim Hund 

Die 4 F’s: freeze, fight, flight und fiddle about/flirt

Beim Hund werden im Allgemeinen 4 unterschiedliche Reaktionsmöglichkeiten auf bedrohliche Situationen (also akuten Stress) unterschieden:

freeze (einfrieren) 🥶
  • „Ich bewege mich nicht und überlege was ich als nächstes mache“ (Einfrieren ist nicht willentlich gesteuert)
  • Hund friert komplett ein und bewegt sich nicht mehr
  • Körperspannung ist sehr hoch
  • Reaktion noch unklar, kann sein dass das Einfrieren in Flucht oder Angriff übergeht
  • Häufig von uns nicht erkannt, es heißt dann häufig „…und auf einmal hat er geschnappt“ -> hier geht das Einfrieren häufig vorweg
fight (kämpfen) 🥊
  • „Auf geht’s in den Kampf“
  • Der Weg nach vorne wird hier als sinnvollster Weg erachtet
  • Dies äußert sich dann in einem aggressiven Verhalten wie z. B. Beißen
flight (flüchten) 💨
  • „Ich bin dann mal weg“
  • Ziel: Distanz zur Bedrohung aufbauen
  • Es kann sich z. B. auch im Bogen laufen äußern
fiddle about/flirt (herumalbern) 😏
  • „Hihi ich bin lustig und habe gaaar kein Problem“
  • Das Verhalten kann hier unterschiedlich sein -> kann vermeintliches Spiel gezeigt werden, aber auch Übersprungshandlung wie Gähnen oder Kratzen
  • Dazu fällt mir ein Video von zwei Hähnen ein:
    • Sie nähern sich, beide Drohen und machen sich groß, der Kampf kann gleich losgehen
    • Sie nähern sich immer weiter, die Körperspannung steigt
    • Und auf einmal: Ja da muss der eine Hahn da erstmal Scharren und schauen was sich unter den Blättern versteckt = Übersprungshandlung

Stress kann sich auch beim Hund sehr vielfältig äußern. Wichtig ist es, dass du mögliche Stressreaktionen erkennst.

Was du tun kannst um deinem Hund Ruhe zu geben 🧘

Durch die Halte-Übung Lalapanzi kannst du deinen Hund dabei unterstützen, in die Ruhe zu kommen. Wie erinnern uns: wir wollen den Parasympathikus aktivieren.

Anleitung für Lalapanzi:

  • Mensch kniet, Hund ist seitlich neben ihm (lass den Hund ruhig im Stehen, wenn das für ihn möglich ist, mach es so, wie du es möchtest)
  • ein Arm ist über den Rücken des Hundes gelegt und die Hand ruht zwischen Brustkorb und Oberarm
  • Die andere Hand liegt vorne auf der Brust -> der Hund wird dadurch eingerahmt
  • Und dann? Dann passiert nichts, also nicht viel – und für den, der sich darauf einlassen kann, ist es eine Menge
  • Versuch dir die Ruhe zu nehmen und in der Situation anzukommen
  • Wenn du denkst: „Boah wann ist diese Übung vorbei“ kann ich dir ans Herz legen, deine Einstellung zu Überprüfen und erstmal für dich zu üben, Ruhe auszuhalten

Stress Hund Lalapanzi mit meiner Hündin Juna und einem komischen Gesichtsausdruck meinerseits


Achtung aber auch hier! Wenn du dir nicht sicher bist, dass dein Hund gut darauf reagiert, mach einen Maulkorb drauf oder versuche es erstmal in entspannter Umgebung. Auch wenn man denkt: das ist ja eine kleine nette Übung à wir schränken die Hunde hier in der Bewegung ein. Das kann je nach Hund auch mal nicht so gut aufgenommen werden.

Wie immer: Hundetraining ist individuell. Schau da genau hin.

Viel Spaß beim Ausprobieren,

Ich freue mich auf euch, Alena 🤗

Quellenverzeichnis:

Hallgren A.: Stress, Angst und Aggression bei Hunden. Cadmos Verlag (2011).

Wilde, N.: Der ängstliche Hund. Stress, Unsicherheiten und Angst wirkungsvoll begegnen. Kyonos Verlag (2010).

Start in neue Leben: Lalapanzi (2018)

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Hey, ich bin Alena! 👋

…und ich bin Hundetrainerin! Schon früh fühlte ich mich zu Tieren im Allgemeinen, aber besonders zu Hunden hingezogen!

Ich wollte schon früh alles über diese interessanten Tiere kennenlernen und durchforstete zahlreiche Hundebücher. Irgendwann reifte der Traum, dass ich auch beruflich mit diesen tollen Tieren und ihren Haltern zusammenarbeiten wollte. Und da bin ich! 

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